
Ich kam nach Island der Landschaft wegen. Ende April, Anfang Mai ringen der abziehende Winter und der kommende Sommer noch täglich um die Oberhand mit Sonne und Graupelschauern, spektakulären Wolken- und Lichtstimmungen. Das tote gelbe Gras in den Lavafeldern auf der Halbinsel Snæfellsnes, die ausgeblichenen Farben der Moose und die noch erdfarbenen Kriechsträucher kontrastieren perfekt mit der pechschwarzen kantigen Basaltlava.
Ganz unerwartet, aber mindestens genauso beeindruckt haben mich zunehmend die heimlichen Herrscher über die Vulkankrater und Lavafelder: Schneehühner!
Die Schneehühner von Snaefellsnes
Das weiße Winterkleid ist namensgebend für die in Island heimischen Schneehühner. Mit den gefiederten Beinen und Nasenlöchern sind sie gut an die Bedingungen des nordischen Winters angepasst. Im Laufe des Jahres wechseln die Vögel dreimal das Gefieder. Anfang Mai sind die Hähne noch komplett weiß und daher gut in den schon schneelosen Lavafeldern auszumachen. Darüber hinaus fliegen oder klettern sie gerne auf die höchsten Lavabrocken, um ihr Revier zu überschauen und Konkurrenz abzuhalten. Die eher plumpen Hühnervögel können mit über 20 km/h erstaunlich schnell laufen.
Die Hennen dagegen sind schon überwiegend in braunes Gefieder gekleidet mit einigen weißen Federn und somit praktisch unsichtbar, es sei denn sie bewegen sich. Im Sommer sind die dann graubraunen Vögel in der Landschaft kaum zu sehen, obwohl sie verhältnismäßig groß sind. Im Spätherbst werden die Rjupa, wie die Isländer die Schneehühner nennen, in einigen Landesteilen bejagt, allerdings nicht im Nationalpark um den Snæfellsjökull.
Einmal erkannt, sehen wir jetzt täglich und überall in den Lavafeldern die Hähne sitzen. Bei Streitigkeiten um das zu besetzende Territorium und um "ihre" Henne fliegen die Hähne mit laut schnarrendem Gurren auf und jeder versucht den höchsten Platz zu ergattern. Zweimal haben wir uns so gegenseitig auf dem alten Vulkankrater des Saxhóll überrascht.
Der Höhepunkt
Während für viele Islandreisende die schwarze Kirche von Búðir nur einen kurzen Fotostopp auf der Durchreise wert ist, erkunden wir ausgiebig das umliegende zerklüftete Lavafeld Búðahraun mit seinen Lavahöhlen, steigen auf den 88 Meter hohen Vulkankrater Búðaklettur, der mittendrin wie ein großer runder Brotlaib liegt, und genießen die goldenen Sanddünen der Lavaküste.
Das Ende des Tages hält für uns als Belohnung noch einen besonderen Höhepunkt bereit: ein ganz ungeniert kopulierendes Schneehuhnpaar, weithin sichtbar oben auf der Spitze der Lavafelsen!







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